Wohl kaum ein Terrain ist so fotografiefeindlich wie die Welt der Höhlen mit Lehm, Engstellen, Schächten, Siphons, Dunkelheit, Feuchtigkeit, rabiaten Transporten und anderen Unannehmlichkeiten.
In solch einer Umgebung dennoch gute Fotos in den Kasten zu bekommen, stellt erhebliche Anforderungen an Mann und Material.

Kamera / Objektive / Filme / Stativ / Blitze / Akkus / Transport


Kamera

  Wie sieht die ideale klassische Höhlenkamera aus:
  • kompakte und stabile Spiegelreflexkamera
  • manuelle Fokusierung
  • wenig elektronischer Schnickschnack
  • Anschlussmöglichkeit für Drahtauslöser und B-Setting

...damit fallen bereits über 95% der handelsüblichen Kameras (wie z.B. Kompakt- und Sucherkameras, AF-Spiegelreflexkameras) weg und es bleibt die kleine Garde der oft älteren soliden MF-Spiegelreflex-kameras übrig.

Nun kommt es nur noch darauf an, zu welcher "Kamerasekte" sie sich zählen ("Nikonisten", "Canonisten", o.a.). Die meisten namhaften Hersteller verfügen über einige geeignete Modelle wie beispielsweise die FM2 oder FM3A von Nikon, die F1 oder AE1 von Canon oder die OM2 von Olympus. Des weiteren haben wasserdichte Kameras wie die legendären Nikonos 4 und 5 in der Höhlentauchfotografie und in sehr nassen Flusshöhlen ihr Einsatzfeld.

Mittel- oder Grossformatkameras sind in punkto Abbildungsqualität sicherlich das Nonplusultra, aber auch teuer, sperrig und empfindlich und damit nicht gerade "ideal" an das Höhlenenvironment angepasst. Ihr Einsatz bleibt also dem Könner mit dem nötigen Kleingeld vorbehalten und es erfordert erhöhten Einsatz für einen schonenden Transport. Doch das Ergebnis entschädigt oft für diesen Aufwand, denn die Brillianz, Schärfe und Kontrastumfang eines mit hochwertigem Projektor projezierten Mittelformatdias bleibt auch im digitalen Zeitalter noch lange unerreicht.

Natürlich geht die digitale Revolution auf dem Fotomarkt auch an der Höhlenfotografie nicht vorbei. Inzwischen ist der Stand der Technik und vor allem das Preis/Leistungsverhältnis in einen diskutablem Rahmen. Das Pixelrennen hat bei 10 bis 12 Mios sein sinnvolles Maximum erreicht, denn diese Auflösung kann nur noch von hochwertigen Objektiven unterstützt werden. Auch das Rauschverhalten ist bei ISO 100 inzwischen besser als es bei Analogfilm (Korn) je war. Schwachpunkt dieser Technik bleibt die Empfindlichkeit solch "tragbarer Computer" in einem nassen und lehmigen Höhlenenvironment sowie der "crop factor", der aus einem 20 mm Ultraweitwinkel nun ein 30 mm Normalweitwinkel macht - es sei denn die Kamera arbeitet mit einem Vollformatsensor der jedoch andere Nachteile mit sich bringt (unverhältnismässig hoher Preis, ungünstiger Strahlengang, etc.). All diese Nachteile tauscht man gegen den ganz enormen Vorteil der Sofortkontrolle ein. Es entsteht eine ganz andere Herangehensweise an das Fotografieren, mit einer Annäherung an ein Motiv mit stetiger Verbesserung einzelner Bilddetails und Ausleuchtungswinkel. Darüber hinaus bleibt einem der Verschleiss von teurem Filmmaterial, das kritische und zeitraubende Diascannen etc. erspart. Bleibt zu hoffen das der Stand der Technik in punkto Auflösung und die Preise für die nötige Projektionstechnik (Beamer) bald nachzieht werden...

Wie sieht die ideale Höhlendigitalkamera aus:

  • Spiegelreflexdigitalkamera (DSLR)
  • min. 10 Mios
  • robustes Gehäuse (Metallchassis) und gute Abdichtungen
  • B-Setting
  • ISO 100 möglich
  • gutes Rauschverhalten
  • ggf. kabellose Blitzkontrolle über P-TTL und/oder E-TTL

Diese Anforderungen werden z.B. von der Nikon D200, der Canon 5D oder der Pentax K10D erfüllt, mit denen sich herausragende Ergebnisse erzielen lassen. Kompaktdigitalkameras sind für die Höhle als Schnappschusskameras etwa zur Dokumentation von Forschungsaktivitäten durchaus geeignet, liefern aber für die anspruchsvolle Höhlenfotografie eine inakzeptable Bildqualität durch die vergleichsweise schwachen Optiken und das schlechte Rauschverhalten bei den sehr kleinen Sensoren - insbesondere bei den erforderlichen hohen Auflösungen.

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Objektive

 

Wie sieht das optimale Höhlenobjektiv aus:

  • Festbrennweite 28 oder 35mm (Kleinbild)
  • hohe Lichtstärke von f2.8 oder besser
  • hohe mechanische Qualität
  • hohe optische Qualität
  • gut ablesbare Entfernungsskala

Das Objektiv ist als eigentliche optische Einheit der Kamera letztendlich für die Abbildungsqualität entscheidend und somit sollte hier kompromisslos auf Qualität gesetzt werden. Nur zu oft begegnet man Fotografen, die stolz ihre zigtausend Euro teure Hightech-Kamera präsentieren und sich gar nicht dessen bewusst sind, dass diese nur mit einem billigen Standard-Zoomobjektiv versehen ist.

Die Auswahl einer geeigneten Objektivkombination ist für jeden Fotografen eine "never ending story". Leider lässt sich nicht mit der Wahl einer bestimmten Marke eine Qualitätseinordnung vornehmen, da selbst namhafte Hersteller sowohl Spitzenobjektive als auch "Colascherben" in ihrem Sortiment vereinen. Leider genügt es auch nicht, sich auf irgendein Testergebnis aus einer der vielen Fotografie-magazine zu verlassen. Meine Erfahrung zeigt, dass zum Teil himmelweite Unterschiede zwischen verschiedenen Testergebnissen
für ein und dasselbe Objektiv bestehen (inwieweit sich hier die Abhängigkeit der Magazine von den Herstellern wiederspiegelt, möge jeder selbst einschätzen). Eine wertvolle Entscheidungshilfe sind jedoch Testdatenbanken, in denen die Testergebnisse auf internationaler Ebene gemittelt sind.

Was lässt sich verallgemeinernd über die Qualität von Objektiven aussagen? Zum Beispiel, dass Zoomobjektive nur in den seltenen Fällen an die optische Qualität von Festbrennweiten heranreichen; ganz zu schweigen von der Lichtstärke (auch wenn einem die Werbung hier anderes suggerieren will). Die besten optischen Eigenschaften werden bei 50mm Festbrennweiten erreicht. Die meisten Hersteller führen eine "Profiserie" (Sigma: EX-Reihe, Tokina: ATX-Reihe, etc.), die eine bessere mechanische Verarbeitung und höhere optische Vergütung verspricht, unter denen es aber in Sachen optischer Eigenschaften dennoch "faule Eier" gibt. Objektive mit höherer Lichtstärke und infolgedessen meist größerem Durchmesser übertreffen in Sachen optischer Qualität meist ihre lichtschwächeren und billigeren Verwandten. Die Lichtstärke ist für die Höhlenfotografie ein entscheidender Faktor, da in größeren Räumen meist weit aufgeblendet werden muss, aber die optischen Eigenschaften eines Objektives bei seiner größten Blende (kleinste Blendenzahl) am schlechtesten sind.

Für die Makrofotografie ist der Einsatz von Zwischenringen eine optimale und leichte Alternative zu einem teuren Makroobjektiv.
Makro-Vorsatzlinsen oder Retroringe sind dagegen mit Vorsicht zu genießen, da diese selten gut auf das jeweilige Objektiv abgestimmt sind.

Es empfiehlt sich, jedes Objektiv zum Schutz mit einem hochvergüteten Filter zu versehen (ideal ist ein leichter UV- bzw. ein Skylightfilter). Ansonsten besteht in der Höhle wenig Einsatzmöglichkeit für Filter, wenn man von dezenten Farbkorrekturfiltern einmal absieht (im Falle von DSLRs hinfällig).

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Filme

 

Wie sieht der ideale Höhlenfilm aus:

  • vorzugsweise Diafilm
  • geringe Filmempfindlichkeit (100 oder 64 ISO)
  • gute Farbwiedergabe von Braun- und Grautönen
  • gute Farbsättigung
  • feinkörnige Filmemulsion

Abgesehen von der Filmempfindlichkeit hat jeder Film eine ihm eigene Farbcharakteristik - unter anderem in Sachen Balance und Sättigung.
So sind beispielsweise die Filme Sensia II, Provia oder Velvia der Marke Fuji ausgesprochen stark im Blau- und Grünbereich, was sie zum geeigneten Medium in tageslichtdurchfluteten Eingangsbereichen oder für den Einsatz in der Höhlentauchfotografie macht. In der Höhle selbst dominieren allerdings Braun- Grau-, Gelb- und Rottöne. Hier liegt die Stärke der Kodakprofifilme 100G und 100GX, was sie zu den optimalen Höhlenfilmen macht. Aber auch der Klassiker Fuji Velvia 50 (wird nicht mehr produziert) und dessen Nachfolger Velvia 100 sind hochwertige Filme für die Höhlenfotografie. Diese Filme haben noch einen weiteren, ebenso wichtigen Vorzug: die Mindestempfindlichkeit der Filmemulsion - oder mit anderen Worten der Mindestlichtmenge, die der Film noch abbildet. Im Falle eines ins Dunkle verlaufenden Höhlenganges werden auch noch sehr dunkle Farbschattierungen zuverlässig wiedergegeben. Für große Gänge und Hallen kann auch noch der Kodak Elitechrome 400 eingesetzt werden, man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass dieser in Bezug auf Schärfe, Farbwiedergabe und Farbsättigung bei weitem nicht mit den niederempfindlichen Filmen mithalten kann.

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Stativ

 

Wie sieht das optimale Höhlenstativ aus:

  • stabil und widerstandsfähig
  • möglichst leicht und klein verpackbar
  • unabhängig bewegbare Stativbeine
  • bei Lehm und Nässe zuverlässig bedienbare Arretierungen
  • vorzugsweise mit Kugelkopf

Hier muss ein Kompromiss zwischen Stabilität auf der einen, und Größe und Gewicht auf der anderen Seite gefunden werden. Ministative, die in verschiedensten Patenten immer wieder auf dem Markt zu sehen sind, sind genauso wenig geeignet wie ein schweres und unhandliches Profistativ.

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Blitze

 

Nun muss schließlich noch das Licht mit in die Finsternis gebracht werden und zwar meist mittels mehrerer elektronischer Blitzgeräte.

Wie sieht er aus, unser idealer Höhlenblitz:

  • hohe Leitzahl (>30), d.h. hohe Lichtabgabe
  • kompakte Form bei geringem Gewicht
  • wenig elektronischer Schnickschnack
  • breiter Ausfallwinkel (entsprechend 28mm oder breiter)
  • austauschbare Akkus/Batterien der Größe AA
  • manueller Auslöser und Kontrolllampe

...wieder sind es also oft die älteren Modelle, die hier in Frage kommen und die gut auf dem Gebrauchtmarkt zu erstehen sind. Hier jedoch unbedingt auf austauschbare Akkus achten, da die eingebauten oft am Ende sind und außerdem bei Bedarf nicht einfach in der Höhle ausge-tauscht werden können.

Blitzautomatiken sind in der Höhle nur sehr bedingt einsetzbar. In der Regel werden die Blitze mit voller Kraft gefeuert und die Belichtung über die Blende und den Blitz-Objekt Abstand gesteuert. Lediglich TTL ('trough the lens' Belichtungsmessung) ist in Situationen hilfreich, wo nur mit einem Blitz gearbeitet wird wie beispielsweise der Makrofotografie. Hier spielen insbesondere die modernen DSLRs mit kabelloser Blitzsteuerung von Systemblitzen ihre Stärken aus (jedoch Kostenfaktor).

Blitzgeräte und Feuchtigkeit sind sich spinnefeind, soll heißen: ein nasser Blitz kann unter ungünstigen Umständen einen Stromschlag von einigen hundert Volt austeilen. Die Blitzgeräte können aber bei Bedarf zu etwas mehr Wasserresistenz "frisiert" werden, indem die Platine mit einem Spraylack versehen wird (Vorsicht bei Basteleien an den Innereien eines Blitzes, denn auch dabei kann einen ein erklecklicher Stromstoß erwischen) und indem die Nähte am Gehäuse sowie unnötige Knöpfe einfach abklebt werden. Für den Einsatz in sehr nassen Höhlen ist auch die Verpackung mit zwei Lagen klarer Gefrierbeutel hilfreich.

Ausgelöst werden die Blitze am elegantesten mittels Servoblitz-auslösern (engl. "slave units"; lichtsensitive Photozellen, die, sobald sie ein Blitzsignal empfangen, automatisch innerhalb weniger 1000tel Sekunden mitblitzen). Manche Blitze verfügen über einen eingebauten Servoblitzauslöser, aber in der Regel muss eine solche Einheit aufgerüstet werden. Aber Vorsicht: die meisten handelsüblichen Produkte sind für den Höhleneinsatz nicht lichtsensitiv genug, d.h. sie lösen nicht aus, wenn der Blitz hinter der nächsten Ecke positioniert wird! Die Abhilfe heißt Firefly II; hergestellt nach einem Design des Höhlentechnikbastlers David Gibson. Firefly II ist in Deutschland noch nicht erhältlich, kann jedoch über Internet in Großbritannien bei Dragon Caving Gear geordert werden (oder als Bausatz direkt bei David Gibson).

Eine komplette Alternative und/oder gute Ergänzung zu den Elektroblitzen stellen die archaisch anmutenden Blitzbirnen dar - mit Aluminiumwolle gefüllte Vakkumbirnen die zum Auslösen über eine Batterie kurzgeschlossen werden. Deren enorme Lichtstärke und Lichtqualität mit einer gleichmässigen Rundumausleuchtung stehen auf der Habenseite während die abnehmende Verfügbarkeit (Onlineauktionen, Flohmärkte), der Einwegcharakter und die nötige Bastelei von brauchbaren Auslösern auf der Sollseite verbucht werden müssen.

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Akkus

 

In Sachen AA-Akkus haben sich die Nickel-Metall-Hybrid Akkus (NiMH) durchgesetzt. Diese haben enorme Vorteile gegenüber den herkömmlichen Nickel-Cadmium Zellen (NiCd). Ihre Kapazität erreicht mittlerweile satte 2600mAh, was für mehrere hundert Blitzauslösungen ausreichend ist. Dabei haben sie keinen Memory-Effekt, d.h. der Akku muss vor dem Laden nicht vollständig entladen werden. Die hohe Energiedichte dieser Akkus ermöglicht außerdem eine kürzere Blitzfolgezeit als bei NiCd-Akkus oder gar Batterien. NiMH-Akkus erfordern allerdings etwas aufwendigere und damit auch teurere Ladegeräte (Pulsladung notwendig).

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Transport

 

Harte Schläge - bei langen Transporten mit Engstellen und Schächten unvermeidbar - sind absolutes Gift für die empfindliche Kameraaus-rüstung. Und der geplagte Höhlenfotograf wird sich dabei ertappen, dass er, wenn er sich nach einer anstrengenden Fototour wieder durch irgendeine beknackte Engstelle nach oben winden muss, den Foto-schleifsack nicht immer mit Samthandschuhen anfasst.

Eine möglichst stoßgedämpfte und wasserdichte Verstauung ist also unumgänglich. Beliebt sind beispielsweise Munitionskisten, die aber relativ schwer sind und ein ungünstiges Format haben. Weit besser geeignet sind PVC Weithalstönnchen (z.B. von Kajakausrüstern). Mit Schaumstoff ummantelt und/oder mit alten Handtüchern umwickelt fühlt sich die Kamera schon bedeutend wohler. Vorbeugend gegen Feuchtigkeit kann noch ein Säckchen Silicagel dazulegt werden.

In zwei solcher 6l-Tönnchen oder einer 12l-Tonne lässt sich so alles an Ausrüstung auch für ein aufwendiges Motiv (Kamera + Wechsel-objektive, 3-5 Blitze, Filme, Akkus) bequem unterbringen. Zusammen mit dem Stativ, das sich durch ein entsprechend dimensioniertes PVC-Abwasserrohr schützen lässt, kann so alles in einem mittelgroßen Schleifsack untergebracht werden. Für schwierige und lange Touren, wo jedes Gramm zählt, lässt sich die Ausrüstung leicht auf ein 6l-Tönnchen dezimieren (Kamera + Standardobjektiv, 3 Blitze, Filme, Akkus).

Für empfindliche DSLR oder Mittelformatausrüstungen sind ausserdem wasserdichte Hartschalenkoffer wie beispielsweise die bekannten Pelicases eine schwere aber sinnvolle Alternative.

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