Die Natur von Höhlen hat es so an sich, dass wir - um Licht ins Dunkel zu bringen - unser Licht zum Fotografieren selbst mitbringen müssen. Die Art der eingesetzten Lichtquellen (Blitzlicht, Karbidlicht, etc.) und deren Positionierung sind die entscheidenden Gestaltungsmittel. Doch Licht ist nicht gleich Licht, und erst das Verständnis der verschiedenen Wirkungen gibt den Weg frei für gelungene Bildgestaltungen.

Beleuchtungsoptionen / Belichtung / Lichttemperaturen / Tageslicht / Karbidlicht / Gegenlicht


Beleuchtungsoptionen

 

Packen wir also unsere Ausrüstung, widmen uns einem netten Motiv, Blitz auf die Kamera und los geht's! Es entsteht ein Bild mit direktem Licht (1). Doch dieses Bild wirkt irgendwie fade, platt und unspannend. Die Lösung liegt auf der Hand: Weg mit dem Blitz von der Kamera - sprich, wir müssen den Blitz entfesseln (mittels eines Servoblitzes, der entweder durch einen schwachen Blitz auf der Kamera, einen Infrarot-blitz oder einen Assistenten ausgelöst wird).

1
Direktes Licht
2
Seitenlicht
90°von links
3
Seitenlicht +
Aufhellblitz von rechts

Doch zurück zu den Beleuchtungsmöglichkeiten. Positionieren wir den Blitz 90° zu unserem Motiv (2). Das Bild gewinnt schon erheblich an Kontrast, wirkt aber "einseitig" belichtet. Geben wir noch ein wenig Licht von der anderen Seite (von rechts) hinzu, ist das Bild bei beibehaltenem Kontrast homogener ausgeleuchtet (3). Dieses Bild kann eigentlich schon so stehen bleiben - doch es gibt noch weitere Möglichkeiten.

4
Reines Gegenlicht
5
Gegenlicht +
Seitenlicht
6
reines Karbidlicht
als Gegenlicht

Beispielsweise direktes Gegenlicht, mit einem Blitz, der genau hinter der Person versteckt liegt (4). Es ergibt sich eine dramatisierende Wirkung, insbesondere was die Makkaronis im Vordergrund anbelangt. Zudem gewinnt das Bild deutlich an Raumtiefe. Nachteil: Die Silhouette wird schlecht aufgelöst, und das Bild wirkt insgesamt etwas monochrom. Etwas zusätzliches Licht von der Seite (hier von rechts), und die Person wird bei beibehaltener Dramatik besser aufgelöst (5). Wieder eine Version, die so stehen bleiben kann. Aber warum nicht noch eine alternative Lichtquelle einsetzen wie beispielsweise das Licht einer Karbidlampe, hier als reines Gegenlicht (6). Ein angenehm warmes, rötliches Licht entsteht, das für sich alleine aber wieder zu monochrom ist und zudem etwas unreal wirkt.

7
Kombination von direktem Gegenlicht,
Seitenlicht und Karbidlicht

Der Schlüssel liegt in der geschickten Kombination von Blitzpositionen und Lichtquellen (7). So wird das Bild farblich wie räumlich viel-schichtig, mit einem dezenten warmen Karbidlicht im Vordergrund, um die Person zu akzentuieren, einem Gegenlicht für die dramatisierenden Reflexe und mehr Tiefenwirkung sowie Seitenlicht, um die natürliche Farbe des Sinters wiederzugeben.

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Belichtung

 

In der Höhle ist die Belichtungsautomatik unserer Kamera für die meisten Aufnahmesituationen wertlos; abgesehen von der TTL-Messung bei Verwendung eines einzelnen Blitzes. Wie kommt man zu einer richtig belichteten Aufnahme? Laut Theorie haben wir es mit drei Größen zu tun, die die Belichtung beeinflussen:

  • Die Blende: je weiter offen (kleine Blendenzahl), desto heller
  • Die Leitzahl des Blitzes: je größer, desto heller
  • Die Distanz des Blitzes zu dem Objekt: je geringer, desto heller

Diese drei Faktoren stehen in direktem Zusammenhang, der sich durch die einfache Formel Blende = Leitzahl / Distanz ausdrücken läßt. Ist ein Blitz der Leitzahl 30 z.B. 10 m vom Objekt entfernt, ergibt sich
eine Blende von f 3 (30 / 10 = 3). Diese gibt es bei der Kamera natürlich nicht, also wird die nächstgelegene Blende = f 2.8 gewählt. Die Verschlusszeit spielt für die Belichtung nur eine Rolle, wenn andere Lichtquellen, wie beispielsweise die Helmbeleuchtung, im Spiel sind.
Zu beachten ist allerdings, dass die eingestellte Belichtungszeit immer gleich oder länger als die kameraspezifische Blitzsynchronzeit gewählt wird.

Leider ist es aber so, dass die vom Hersteller angegebene Leitzahl eines Blitzes sich auf eine "durchschnittliche Aufnahmesituation" bezieht, wie beispielsweise ein Zimmer mit hell tapezierten Wänden, nicht aber ein dunkler Höhlengang mit dunkelbraunen Wänden. Die Leitzahl ist für den Höhlenbedarf also zu hoch angesetzt, was in die Kalkulation einbezogen werden muss => eine halbe bis zwei ganze Blendenstufen weiter aufblenden.

Soweit zur Theorie - in der Praxis gestaltet es sich eher so, dass diese Formel zwar als grober Leitfaden dienen kann, das Ganze jedoch mit zunehmender Erfahrung einem Gespür für die richtige Belichtung weicht. Zudem empfiehlt es sich, Belichtungsreihen zu machen und später auf der Leinwand die gelungenste Belichtung auszuwählen.

In aller Regel genügen 2 bis 5 Blitzgeräte, um das gewünschte Motiv mit ausreichend Licht zu versorgen. Im Falle von großen Gängen und Hallen aber stößt man an Grenzen. Dem kann auf zweierlei Art und Weise begegnet werden. Erstens können wir den Verschluss der Kamera offen halten (Drahtauslöser und B-Setting) und einfach mehrmals von ein und derselben Blitzposition aus feuern. Die Helmlampen sollten dabei tunlichst aus bleiben, um überstrahlte Punkte zu vermeiden. Zweitens haben wir die Möglichkeit, die Blitzpositionen zu verändern, während der Verschluss offen gehalten ist. D.h. eine Person läuft mit den Blitzen in der Hand durch die Halle und löst an verschiedenen Stellen aus. Ist die Person mit im Bild, besteht allerdings die Gefahr, dass sie sich durch einen der folgenden Blitze in eine geisterhaft transparente Silhouette verwandelt. Zudem ist es nötig, das Objektiv zwischen den Blitzen zu verdecken, um Lichtspuren der wandernden Helmlampe zu vermeiden. Eine alternative Möglichkeit ist der Einsatz von starken Einwegblitzbirnen. Solche Blitzbirnen erreichen je nach Typ eine Leitzahl von bis zu 160!

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Lichttemperaturen

 

Licht ist nicht gleich Licht. Jede Lichtquelle hat eine spezifische Lichttemperatur - eine physikalische Größe, die in Kelvin gemessen wird. Das kennen wir schon von unserem subjektiven Empfinden, wenn wir beispielsweise von einem warmen, rötlichen Karbidlicht sprechen oder von einer kalten, bläulichen Xenonlampe. Diese subjektive Einschätzung verhält sich jedoch genau umgekehrt zur physikalisch messbaren (eine hohe Lichttemperatur empfinden wir als kalt) und zudem werden diese Unterschiede auf einem Diafilm verstärkt wiedergegeben.

Ein Tageslichtfilm ist auf eine Lichttemperatur von 5500 K eingestellt, während ein Kunstlichtfilm von ca. 3500 K ausgeht. Daher rührt beispielsweise der unangenehme Gelbstich, wenn man mit einem Tageslichtfilm bei Zimmerbeleuchtung fotografiert. Solche Farbver-schiebungen lassen sich durch geeignete Korrekturfilter ausbügeln.

Lichtquelle
Farbtemperatur
(Kelvin)
Effekt auf
Tageslichtfilm
Korrekturfilter
Blitzgerät
~ 6000 K
leicht bläulich
81 A
Tageslicht
~ 5500 K
-
-
Schauhöhlenbel.
~ 3000 K
gelblich / orange
80 A
Karbidlampe
~ 2500 K
orange / rötlich
78 A
Kerze
~ 2000 K
rot
2 x 80 A

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Tageslicht

 

Soll der lichtdurchflutete Eingangsbereich einer Höhle fotografiert werden - beispielsweise der Blick von innen nach außen - so rennt man gerne in eine Belichtungsfalle: der Hintergrund wird richtig belichtet, während der Höhleneingang selbst nur als pechschwarze Silhouette abgebildet wird. Oder umgekehrt: Die Wände der Höhle zeigt Konturen, während der Hintergrund völlig überstrahlt (siehe oben). Hier zeigt sich, dass das menschliche Auge ein perfektes "Objektiv" ist, das seine "Blende" blitzschnell der jeweiligen Helligkeit anpasst. Der Kamera gelingt dies natürlich nicht, was zu einer ungewollten Kontrast-steigerung führt.

Hat der Eingang mehr Vegetation im Hintergrund und ist zudem ein bewölkter Tag, so verbessert sich die Situation merklich. Jetzt kann sogar leicht überbelichtet werden, und die Höhlenwand gewinnt an Struktur, während das von außen eindringende Licht leicht gleißend und somit noch etwas realistischer wirkt.

Farbverschiebung bei langer Belichtungszeit

Einige Meter weiter in der Höhle besteht Spielraum für Langzeit-belichtungen, mit denen sich stimmungsvolle Bilder schaffen lassen. Bei den erforderlichen langen Belichtungszeiten ergibt sich allerdings das Problem des Reziprozitätseffektes: Bei Belichtungszeiten über einer Sekunde gilt nicht mehr wie gewohnt doppelte Zeit = doppelte Lichtmenge, sondern hier muss exponentiell länger belichtet werden. Statt 10 s beispielsweise 30 s und statt 1 min bereits 6 min. Solche langen Verschlusszeiten bringen dann gratis noch Farbverschiebungs-phänome mit sich. D.h., je länger die Belichtungszeit, desto mehr wird das Farbspektrum in Richtung physikalisch kälterer Farben verschoben. Dem kann bei Bedarf mit dem gezielten Einsatz von Farbkorrekturfiltern begegnet werden.

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Karbidlicht

 

Es gibt nur wenige Motive, die mit reinem Karbidlicht beleuchtet gut zur Geltung kommen - der rote Farbton wirkt zu monochromatisch. Als Teil einer Ausleuchtungskombination verhilft er dem Bild jedoch zu einer vielschichtigeren Farbigkeit. Oft reicht ein dezenter Schimmer, um mehr Leben ins Bild zu bringen.

Die nötigte Verschlusszeit liegt je nach Stärke der Acetylenflamme, der Raumgröße, und der gewählten Blende zwischen 2 s und 5 min. Ein geduldiger Assistent, der lange genug regungslos verharrt um das Bild nicht zu verwackeln, ist also hilfreich. Da die Lichtintensität schwer abzuschätzen ist, empfiehlt es sich, auch hier Belichtungsreihen zu machen.

Soll das Karbidlicht eingesetzt werden, um einen Teil des Raumes auszuleuchten, so ist tunlichst darauf zu achten, dass die Acetylen-flamme selber nicht im Bild ist, da diese hoffnungslos überstrahlen würde. In anderen Fällen ist es aber gerade reizvoll die Flamme zu zeigen, die im Idealfall ein kleines Sternchen zeichnet. Eine helle Flamme lässt sich durch eine Belichtungszeit von 1/15 bis 1/2 s erreichen und wirkt wesentlich realistischer als bei einer zu kurzen Belichtung, bei der die Karbidlampe so aussieht als wäre sie nicht aktiv. Das gilt genauso für elektronische Helmbeleuchtungen.

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Gegenlicht

 

Die am schwierigsten zu kalkulierende Beleuchtungsoption ist das Gegenlicht, aber gerade dessen gekonnter Einsatz verleiht vielen Bildern das gewisse Etwas: eine forcierte Dramatik und eine gesteigerte Tiefenwirkung.

Hier ein und dasselbe Motiv zunächst nur mit Seitenlicht ausgeleuchtet (links). Im mittleren Bild ist ein direkter Gegenlichtblitz hinter der Person positioniert. Daraus resultieren die typischen weißen Reflexe auf den nassen Wänden. Damit sich die Person vor schwarzem Hintergrund besser abzeichnet, ist noch etwas Seitenlicht im Spiel. Wir stellen fest, dass direktes Gegenlicht am besten wirkt, wenn nasse Wände oder Wasseroberflächen zur Verfügung stehen, die das Licht reflektieren. In der rechten Aufnahme geht das Gegenlicht von einem Blitz in der Hand der Person aus. Sobald ein Blitz jedoch im Bild direkt sichtbar ist, ist Vorsicht geboten, da solche Blitze schnell überstrahlen (wie in diesem Beispiel) oder zu Streulicht und störenden Reflexen führen können. Diesem Problem kann, durch eine zentrale Blitz-positionierung (doch wann ist eine solche schon sinnvoll möglich...)
und durch Abblenden begegnet werden.

Diese Bilder zeigen eine weitere Einsatzmöglichkeit von Gegenlicht - das Durchleuchten transparenter Objekte wie dieser Sinterfahne. Zudem wird die Schwierigkeit deutlich, bei reinem Gegenlicht die Silhouette einer Person herauszuarbeiten (links). Im mittleren Bild ist dies durch einen Aufhellblitz von links vorne gelöst, der auch dem Vordergrund zusätzlich Detail verleiht. Alternativ dazu kann man auch das reflektierende Licht nützen, um die Person dezent mitzubeleuchten (rechts).

Eine letzte Anwendungsmöglichkeit von Gegenlicht ist bewegtes Wasser, wie beispielsweise die zerstäubenden Tropfen in diesem Bild. Bei genauem Hinsehen fällt jedoch ein interessanter Effekt auf: die Tropfen scheinen nach oben zu fliegen anstatt nach unten zu fallen. Ursache ist die schlagartig einsetzende Blitzemission und ein anschließendes Nachglühen der Blitzröhre, das den Schweif in verkehrter Richtung zeichnet. Bei fein zerstäubenden Tropfen fällt dieser Effekt aber wenig ins Gewicht.

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www.speleo-foto.de - Höhlenfotografie von Max Wisshak
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